Gerade eben
Gerade eben war ich zuerst noch kurz vor Ladenschluss, natürlich um punkt 18:00 Uhr, bei der örtlichen Poststelle. Das Objekt, dass meiner Meinung nach doch als Päckchen raus gehen sollte, wurde von der Mitarbeiterin, natürlich sehr genau bemessen, als Paket eingestuft. Aus etwa 4,90€, die ich wohl normalerweise bezahlt hätte, wurden ganz schnell zu meiner unmessbaren Freude 6,90€. Warum? Keine Ahnung.
Und schnell weiter musste ich auch, denn es war noch ein Film wieder abzugeben und bei dm zu gucken, ob meine letzten beiden S/W Filme aus der neuen Holga endlich angekommen sind. Als ich also wieder an der Kreuzung stand, darauf wartete, dass die Ampel wieder grün tickt, und dabei zur Musik von Bon Iver (EMPFEHLUNG!) summte, hörte ich zuerst rechts von mir zwei schnell und laut diskutierende Spanierinnen. Dieser Diskussion sollte ich aber nebenbei mehr all zu lang lauschen.
Denn links von mir hält auf einmal eine relativ junge Frau, mitte 20 vielleicht, Brille, blond und eher so Nerd, also bestimmt Studentin. Ich schaue sie halt kurz an, drehe mich dann wieder weg und just in diesem Moment ertönt ihre Stimme in einem erbosten zugleich ängstlich zu gleich lauten Ton: “[unverständlich], sonst wird Gott die Erde verfluchen!”. Erschrocken schaue ich wieder kurz zu ihr und dann braust sie auch schon mit ihrem Rad über die Kreuzung, wie eine absolut Bescheuerte.
Gott sei Dank war es schon grün und auch ich konnte endlich weiter fahren. Allerdings rätselte ich nun was sie wohl vor der letzten Phrase meinte, während ich hinterher schaute. Natürlich vergas ich dabei den Film wegzubringen. War ja klar.
Kerzenlicht
Mittlerweile ist es fast einen Monat her, dass in der Jülicher Christuskirche ein Gottesdienst zum World Wide Candlelight Day, dem Gedenktag für verstorbene Kinder, stattfand. Auf Empfehlung meiner Mutter waren Ju und ich ebenfalls anwesend. Da anwesend sein aber oft nicht genügt, wurden wir kurzerhand noch zum Verteilen der Teelichter an die Besucher des Gottesdienstes verpflichtet. Die Teelichter waren auf sternförmige beschreibbare Pappstücke geklebt, damit man den Namen eines Verstorbenen zur Erinnerung an diesen auf das Stück schreiben kann. Somit teilten wir nicht nur Teelichter aus, sondern auch Stifte. Während des gesamten Gottesdienstes saßen wir in der ersten Reihe, sodass wir von allem hinter uns nicht allzu viel mitbekamen. Doch während des Austeilens sah man die Verzweiflung in den Gesichtern der Besucher, die Taschentücher in ihren Händen zerknitterten. Nahezu jedes Gesicht war von einem grauen Schleier ergriffen.
Während ich durch die letzte der halbkreisförmigen Sitzreihen ging und mich zu einer Frau herüberbeugte, die mir kaum in die Augen blickte, musste ich kurz stoppen. Denn während ich ihr einen der Sterne reichte und mich schon zurückbeugte, sagte sie nur:
“Ich brauche zwei.“
Guten Morgen, Deutschland!

Ich mag zwar auch keine Pferdeschwänze, doch Hagen Rether erklärte das Jahr 2007 ja schon bekanntlich zum Jahr des Moslembashing bzw. zum Jahr der Islamophobie. Da finde ich ihn schon wieder gut, wie vor einiger Zeit (via Spreeblick). Rethers besagten Jahresrückblick habe ich sogar selbst im Fernsehen gesehen. Und zwar nicht weil ich mir Sendungen wie den Scheibenwischer öfters ansehe, sondern aus Zufall. Denn eigentlich kann ich mit diesem realtitätsfernen und immer wieder gleichem Gefasel eines Richard Rogler oder wie sie alle heißen einfach nicht anfreunden. Da stimme ich dem Verriss auf Lizas Welt völlig zu.
Immer wieder die gleichen Schenkelklopfer über Merkel, Arbeitsmarkt, Stoiber und Bush. Als wenn es keine wichtigeren Themen gäbe. Nein, stattdessen werden die zuvor erwähnten Themen doch nur noch unbedeutender gemacht, sodass man irgendwann nur noch hirnlos lacht ohne nachzudenken. Ist das der Sinn des Kabarett?
Nun, was Rether in seinem Jahresrückblick macht, hatte auch nicht mehr allzu viel mit Kabarett zu tun, aber ehrlich gesagt kann das doch nur so gut sein. Ich schrieb schon in den Kommentaren bei Nerdcore dazu, es sei interessant bei dem Beitrag, dass kaum jemand lacht, da Rether den Nagel so gewaltig auf den Kopf trifft dass es jedem Zuschauer weh tut. Dabei bleibe ich auch. Was Rether letztendlich macht ist auf den Punkt gebrachte Medienkritik, wie sie meiner Meinung nach im Kabarett vorherrschen sollte. Wer diese zu ernst nimmt, ist doch selbst schuld.
Aber kommen wir nun zum Punkt mit der Frage, die mir schon seit zwei Tagen durch den Kopf rauscht, und sich heute morgen beim Aufstehen in meinem Kopf manifestierte. Denn geweckt wurde ich heute, dem ersten offiziellen Montagmorgen nach den Winterferien, mit der aktuellen Meldung über die Debatte zur “gestiegenen” Jugendkriminalität. 1Live bringt diese Nachricht natürlich in den Nachrichten und so scheppert sowas schon Morgens um 7:20 Uhr aus meinem Radiowecker. Schön ist das nicht. Besonders nicht, weil ich mich schon aufrege bevor ich überhaupt mit beiden Füßen auf meinem Laminat stehe:
Wird 2008 etwa das Jahr des Bashings von Jugendlichen mit Migrationshintergrund?
Peter GauleiterGauweiler (CSU) sagt laut Spiegel Online folgendes dazu:
“Deutschland wird in der Münchner U-Bahn verteidigt, am Bahnhof Zoo in Berlin und in der Frankfurter Innenstadt”
Sieht also ganz danach aus.
Bis es Peng! macht
Surren, Flimmern, das endlose Rauschen. Festplatte, Lüfter, Netzteil und die Monitore direkt vor mir. Ständig fällt fahles Licht auf die Netzhaut, wird verarbeitet und rauscht in mein Hirn. Immer scheppert etwas durch die Kopfhörer, gelangt in meine Ohren, rauscht in mein Hirn.
Interaktiv, bewegt, statisch, aneinander gereiht oder hintereinander. Laut, rhymtisch, leise, dröhnend, schnell, melodiös, ansteigend, abfallend, eingängig oder nicht. Grell, dunkel, grau, weiß, grau oder entsättigt. Bilder, Videos, Texte, Webseiten, Videos, Beiträge, Kommentare, Dokumentationen und Serien. Ordner, Dateien, Systeme, Struktur und auch keine. Start, Stop und weiter.
Lichter und Töne ohne Ende. Informationsmassen fließen in den Gedankenapparat, aber kommen sie eigentlich auch wieder heraus? Hört das Ganze irgendwann auf? Oder platzt einfach alles nach einer Zeit wie eine Seifenblase und ich brauche mir keine Sorgen zu machen?
Verdammt, ich will, ich will kreativ sein, etwas tun, etwas schaffen, bewegen und erstellen. Will auskosten, genießen und tief einatmen können. Da, was Leben sein soll, nehmen, greifen und total in mich aufnehmen. Bang, Boom, Bang! Rein ins Leben und den ganzen anderen Scheiß. Was mache ich noch hier und verschwende meine Zeit mir der letzten Scheiße, die weder mich noch irgendjemand anderen interessiert, in der Hoffnung darauf irgendwann erhört zu werden? Statistiken, Links, Artikel, Ratings, Blah, Blah, Blah. Dieses stundenlange Rumsitzen, Nichtstun, Nichtsmachen. Das muss mal wieder ein Ende haben.
Eine Ende muss das haben, aber mindestens doppelt.
Warten
Ich warte darauf, dass das Subscribe-To-Comments Plugin hier wirklich mal funktioniert.
Ich warte auf die E-Mail des Pappenheimers hinter diesem Tracker im Beta Status.
Ich warte darauf, dass meine Bilder besser werden je länger ich sie ansehe.
Ich warte darauf endlich diese gottverdammten Vorlagen zu kriegen.
Ich warte auf eine Antwort zu diesem komischen Fotowettbewerb.
Ich warte darauf endlich wieder einen sehr guten Film zu sehen.
Ich warte drauf noch etwas im Rubbelloskalender zu gewinnen.
Ich warte so lange bis dieser Englisch LK endlich Sinn macht.
Ich warte auf den Zeitpunkt an dem mir Tool wieder gefällt.
Ich warte darauf Longing For Tomorrow wiederzusehen.
Ich warte auf die Entwicklung meines ersten Cross.
Ich warte auf die Rivulets Tour im nächsten Jahr.
Ich warte bis Once endlich im Kino kommt.
Ich warte auf meine neuen alten Schuhe.
Ich warte auf das Wochenende.
Ich warte auf Weihnachten.
Ist diese Warterei eigentlich das ganze Jahr so und fällt mir nur im Advent auf? Oder ist das etwa nur im Advent so? Ich mag sie zumindest nicht. Wirklich nicht.
Monster

Während mir das Wasser auf den Kopf prasselt, verfängt sich mein Blick im endlosen Muster des Duschvorhangs. Das Wasser, es wäscht meine Haut, wäscht mich rein. Die endlosen Kommentare am Rande, das höhnische Gelächter und all der Schmerz landen im Abfluss. Das Plätschern verhindert jedes andere Geräusch. So ist das Szenario nicht mehr wahrnehmbar. Ich atme auf. Erleichtert.
Wir haben uns verändert, sind anders, haben eine 180° Wende gemacht. Ohne es zu merken. Über Jahre hat sich Routine in unsere Leben eingeschlichen. Sie ist in unsere Kopfe gekrochen. Sie lässt uns nicht mehr los. Wir haben das verloren, was wichtig war. Wir haben etwas vergessen, dass uns zusammenhält. Es liegt irgendwo hinter uns und in naher Zukunft werden wir es nicht entdecken, nicht wieder erfinden, nicht neu entwickeln. Stattdessen fahren wir weiterhin ziellos geradeaus, auf dem Highway des Lebens. Die Frage, die noch bleibt, ist die nach der nächsten Abfahrt, dem letzten Ausweg. Doch diese liegt hinten im Kofferraum. Unter Anhängseln aus alten Zeiten begraben.
Die Routine lässt sich nicht abwaschen. Sie hat sich in unsere Köpfe gefressen. Ein Bandwurm mit unzähligen Widerhaken. Ein hartnäckiger Parasit, kein Anfang, kein Ende. Wir werden ihn nicht mehr los.
Wir werden uns nicht los und doch sind wir satt einander. Zuviel haben wir von uns konsumiert. Zu lang sind wir uns zu nah gekommen. Was wir dabei verloren haben? Wir leben nicht füreinander, sondern sind zu endlosen Egoisten geworden. Monster, die Tag für Tag in den selben vier Wänden ihr Spiel fortsetzen, die Werte, Normen, Moral und Gewissen als Attrappen ansehen, um einen Grund für den nächsten Angriff aufzutreiben, die nur ihr eigenes Wohl im Sinn haben und deswegen versuchen des anderen Befinden zu trüben. Monster, die kollidieren und langsam jegliche Anziehungskraft verlieren. Monster, die zertören.
Zueinander geben wir uns aggressiv oder schauen resigniert weg, doch insgeheim sucht jeder nach der nächsten Fluchtmöglichkeit. Einem Hebel um bei voller Fahrt die Tür aufzureißen und aus dem fahrenden Auto zu springen. Allein und für uns selbst schmieden wir Pläne, doch niemand sucht nach der Frage im Kofferraum oder dem Schild für die kommende Abfahrt. Nein, wir stehen unter der Dusche, sind nicht da oder verkriechen uns in eine der vier Ecken um weiterhin das zu bleiben was wir unfreiwillig geworden sind. Monster.
Ausgeglichen
Es ist zwar erst Donnerstag, aber ich mag diese Woche. Ehrlich, so ganz ohne Zynismus und so weiter. Und eigentlich ist das wirklich verwunderlich, denn es sind doch schon so einige Sachen passiert, die mich normalerweise leicht auf die Palme bringen. Tun sie aber nicht.


