
Seit einer Woche blicke ich bei jeder Sitzung auf dem stillen Örtchen auf die immer gleiche Überschrift aus der Sonntagszeitung, die da lautet: “Merkel folgt Koch”. Ich will hier nun nicht über die Kreativität des Schreiberlings oder so etwas diskutieren, sondern einfach nur die Geschichte zu dieser Überschrift erzählen.
Dass ich immer wieder auf diese Überschrift gucke, sollte eigentlich nicht selbstverständlich sein. Ist es aber. Denn seit dem 2. Januar 2008 haben wir keine Tageszeitung mehr, die täglich bei der morgendlichen Sitzung mit neuen schockenden Nachrichten aus aller Welt assistiert. Die genauen Gründe dafür will ich hier nicht ausführen, aber es ist Tatsache. Und so ist es selbstverständlich, dass man eine Woche lang das dämliche Sonntagsblatt im sogenannten Zeitungskorb sieht. Das ist nämlich alles was man als Zeitung umsonst bekommt, obwohl man beim Anschauen der tausend Werbeblättchen eigentlich schon wieder heulen könnte: Sie wiegen mindestens das doppelte der eigentlichen Zeitung.
Nun unsere allerliebste Bundeskanzlerin folgt also nach einer Woche dem überaus netten Herrn Roland Koch, der Leute wie mich, sprich Jugendliche, am liebsten zu Hauf verknasten will. Wir sind nämlich alle bitterböse, eine Gefahr für die Gesellschaft, unproduktiv und schlicht und einfach unnötig. Zumindest meint er, er wäre dieser Meinung, weil er meint, diese Meinung wäre gut für seinen Wahlkampf in Hessen. Ob das überhaupt funktioniert, ist dabei fraglich, sagt der Spiegel. Das weiß ich, weil ich jetzt den Spiegel Online Feed abonniere, um auf dem Laufenden zu bleiben.
Unsere Bundeskanzlerin folgt also dem Herrn Koch, der ja in ihrer Partei ist, und sagt sonst nicht allzu viel dazu. Passivität erregt einfach nicht soviel Aufsehen wie extremer Populismus. Ist ja klar. Allerdings ist gerade das, was auf beiden Seiten gepredigt wird, bis man am liebsten kotzen möchte. Seit Wochen grassiert nämlich der reinste Zickenkrieg zwischen unserer großen Koalition, die, anhand der Äußerungen über die Personen aus der jeweiligen anderen Partei, nicht mehr viel mit einer solchen zu tun hat. Durchsuche ich das Archiv meines Feeds, sehe ich in etwa folgendes:
Koch lästert ein wenig über Beck und bollert mit Phrasengedresche um sich, SPD Spitze attackiert Koch, Von der Leyen findet Kochs Vorschläge nicht schlecht, Beck: Rechtspopulismus, die CSU drischt richtig mit, SPD und Grüne sind zickig ohne Ende, Schröder dreht auf, CSU dreht erst richtig auf, Koch hat einen Plan B, die CSU und das Prügel-Plakat, Koch pupst Schröder an, Schily will auch nochmal usw.
Mittlerweile sind wir an dem Punkt angelangt an dem selbst Kinder in den Knast sollen. Meine Meinung zu dem ganzen Spektakel habe ich eigentlich hier schonmal andeuten lassen. Vorgestern las ich neben den Artikeln bei Nerdcore und Spreeblick zum Thema auch einen Text beim Café Morgenland über den Stein, der alles ins Rollen brachte: Die Vorkomnisse zwischen den beiden “Jugendlichen mit Migrationshintergrund” Serkan und Spyros und dem 76-jährigen pensionierten Lehrer am 20. Dezember in der Münchener U-Bahn. Viel eher wird aber noch über die Schicksale und Hintergründe von einem typischen “Jugendlichen mit Migrationshintergrund” am Beispiel von Serkan berichtet.
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