Zu sp?t kommen
Eigentlich wollte ich um ca. 9:00 Uhr auf der Arbeit sein und so verabschiedete ich mich gestern Abend auch vom Gesch?ftsf?hrer. Jetzt steht dort am rechten Rand der Taskleiste schon 11:22 Uhr und ich sitze immer noch auf meinem eignen B?rostuhl.
Nach diesem Beitrag werde ich die Nadel von der Platte nehmen und den dazugeh?rigen Spieler ausschalten, meine Tasche greifen, die Regenjacke ?berziehen und Richtung Industriegebiet fahren. Mit dem Rad wohlgemerkt. Aber zuvor muss ich noch erkl?ren, warum ich heute wieder zu sp?t komme.
Die Schuld f?r mein st?ndiges Zusp?tkommen in schulischen, arbeitstechnischen, privaten und allen anderen Verh?ltnissen liegt nat?rlich bei mir. Jede andere Behauptung w?re v?lliger Bl?dsinn und eine absolute Verkl?rung meines eigentlichen Denkens. Soviel dazu.
Der Grund f?r die Versp?tung bin ebenso ich, aber entgegen zahlreicher Vermutung liegt dies nicht an meiner nicht vorhandenen Organisation, meiner Faulheit, irgendwelcher Ignoranz oder stillem Protest gegen deutsche P?nktlichkeit. Stattdessen liegt es einfach an der falschen Planung.
Herr Staemmler, wann sind Sie morgen hier?
St?ndig werde ich dazu gen?tigt Zeitangaben zu machen. Und deswegen frage ich mich manchmal, ob alle Leute denken, ich k?nne in die Zukunft sehen. Kann ich n?mlich nicht. Wer kann denn schon vorhersehen, ob er am n?chsten Morgen 32 Sekunden oder 3 Minuten f?r das Putzen seiner Z?hne braucht. Harold Crick konnte das, aber verdammt: Das war ein Film und der Typ war zum Sterben verurteilt!
Ich kann es auf jeden Fall nicht. Genauso kann ich nicht vorhersehen, wie viel Schlaf ich am n?chsten Morgen noch brauche, ob ich dann nicht noch einen f?r mich wichtigen Artikel aus dem Feedreader lesen muss oder ob sich noch ein wichtiger Termin zwischen Aufstehen und Arbeit dr?ngt. Ich wiederhole: Ich kann nicht in die Zukunft sehen.
Wenn Andere auf meine P?nktlichkeit bestehen, sollen sie mir doch bitte sagen, wann ich f?r sie auf der Matte stehen soll. Dann muss ich wenigstens nicht in die Zukunft sehen, sondern darf mich ganz einfach nach Lust und Laune anderer richten. Wenn mir das nicht passen sollte, sage ich einfach irgendetwas wie “So Pi mal Daumen um die Zeit”, “Kann sein, dass ich erst etwas sp?ter da bin” oder “Nee, da hab ich noch einen Termin…”
Anstatt dauernd irgendwo zwischen den Bereichen meines Lebens l?cherliche Vermutungen f?r die Zukunft zu stellen, nicht zu erf?llende zeitliche Angaben zu machen und dabei Andere zu entt?uschen, sollte ich wohl lieber auf derartige ausweichende Antworten ausweichen. Dann gibt es kein zu sp?t oder zu fr?h. Vielleicht freut sich dann jemand, dass man ?berhaupt da ist.
Jetzt ist es schon fast wieder 12 Uhr, weil ich unbedingt noch diesen Artikel ?ber den Baader-Meinhof-Komplex bei der Medienelite lesen musste, die Kombination von last.fm und Wordle total super finde und die Organisation des heutigen Abends lieber vor der Arbeit ablaufen sollte. Solche Sachen sind f?r mich oft wichtig. Oft auch wichtiger als Arbeit oder P?nktlichkeit. Was nicht hei?t, dass diese Dinge unwichtig sind. Aber manchmal sind einige Dinge einfach wichtiger als andere.
Was dabei dieses oder jenes ist, ist aber meiner Bier. Deswegen kann ich nicht in die Zukunft schauen.*
*Witze ?ber zuk?nftige Biersorten, die etwas mit Zukunft zu tun haben, bitte in die Kommentare