Wut
Ich bin nicht einer der Menschen, die oft wütend sind oder sich nicht unter Kontrolle haben. Eigentlich bin ich nie wütend. Kein Schläger, kein Aggro, kein Idiot. Im Grunde genommen eher ein lieber Junge, hier und da ein bisschen unangenehm gegenüber Personen, die ich einfach nicht leiden kann, aber dennoch: Guter Junge.
Okay, neuerdings habe ich mir angewöhnt bei meinen neuen kurzen Hosen mit dem komplizierten Verschluss zu vergessen auch den Reißverschluss zu verschließen. Bin ich jetzt unanständig? Oh, Sorry! Andere Geschichte. Hier geht es um Wut. Eindeutig. Hier. Geht. Es. Um. Wut. Ich mache keine Witze.
Jede Mittwoch bin ich gezwungen zwei Schulstunden Sport beizuwohnen. Zugegebenermaßen ist dies eines der wohl dämlichsten und sinnlosesten Schulfächer, die an unserem Gymnasium vertreten sind. Sportunterricht als Ertüchtigungsmaßnahme mag schön und gut sein, doch am Ende macht er im heutigen Schulsystem, indem auf jegliche Kreativität und Individualität geschissen wird einfach keinen Sinn. Period. Ernst und so weiter.
Dennoch bin ich gezwungen an diesem Unterricht teilzunehmen und mich derartig zu verstellen, als das ich enthusiastisch, leistungsbereit und nett wirke. Das fällt mir außerordentlich schwer. So werde ich oft genug unangenehm gegenüber unserer Lehrperson. Sie quittiert mir mein Verhalten mit 11 Punkten auf dem Zeugnis. Deal.
Doch heute bin ich wütend, auf sie, auf ihren beschissenen Unterricht, auf ihre grässliche Achselbehaarung, auf ihre quietende Stimme, ihr röchelnde Lache und ihre Haar. Auf ihre Größe, auf ihre Schuhe. Verdammt nochmal, ja! Ich werde Menschen verachtend, wenn ich wütend bin. Hell, yeah! Das fühlt sich sogar gut an. So gut, dass ich erstmal weiter mache, bevor ich schildere warum ich so sauer bin. Ich verachte ihre Methoden, ihren theoretischen Unterricht, ihre Vorliebe für historischen Tanz, ihre Verachtung gegenüber männlichen Personen jeglicher Art, ihren Drang dazu Sportunterricht wie Erdkunde zu gestalten. Wut, Verachtung. Es wird immer besser.
Aber warum eigentlich? Ich hab gelernt wie man einen Dreisprung springt. Dieses Wissen werde ich nie wieder brauchen. Ebenso werde ich den Rock’n'Roll nie wieder gebrauchen. Dennoch habe ich ihn gelernt. Heute also Dreisprung. Und dieser Dreisprung ist nun verantwortlich für meinen schmerzenden Knöchel, da dieser es nicht gewohnt ist soviel herumzuspringen. Doch körperlicher Schmerz ist mir eigentlich nicht so wichtig. Nein, Nein. Es gibt einen weiteren Grund. Wegen der unglaublichen Bedeutung ihres Sportunterrichtes habe ich heute meine einzige Chance verpasst einer mündlichen Abiturprüfung als Zuschauer beizuwohnen. Und ab dieser Tatsache kann ich meine Wut gegenüber dieser §&=/”&%§)!(/” einfach nicht mehr zum Ausdruck bring-
AAARBGGHGHGHHHHH!
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