Mein Supermarkt

Penny

Vor drei Stunden war ich drüben in meinem Stammsupermarkt, um mich für den restlichen Abend zu verpflegen. Ja, ich wohne mittlerweile seit fast drei Jahren gegenüber einer Penny Filiale und was soll ich sagen? Es ist göttlich.

Vor einer Woche waren Ju und ich ebenfalls kurz drüben, um neuen Gouda und ein paar Ananas Scheiben für atemberaubende Toast Hawaii a la Sandwichtoaster zu besorgen. Im Gang mit den Süßigkeiten, der direkt vor der Ecke mit den gekühlten Milchprodukten liegt -Ja, ich kenne mich dort sehr gut aus- tuschelten zwei Jungs, während sie das Süßigkeitenregal und ihren Geldstand sehr genau überprüften. Im Vorbeigehen sagte Ju die beiden würden so aussehen als würden sie gleich den nächstbesten Schokoriegel klauen wollen. Ich kicherte. Die Jungs, wohl nicht älter als 13 und typisch für das angrenzende Viertel mit gefaketem New Era Cap, dezenten Baggy Jeans und komischen Musterpulli bewaffnet, versuchten uns einfach nicht zu beachten. Ganz schön schwer, wenn abends um 19:00 Uhr schon nicht mehr soviel los ist.

Anscheinend sind die Rabauken auch deswegen dem Mitarbeiter um die 25 aufgefallen, der die beiden bat doch “noch ein Mal zurück zu kommen”, während sie schon vorne bei der Kassiererin standen. Ju und ich standen an der nächsten Kasse und erfreuten uns schon eines illustren klein kriminellen Spektakels als der ältere Junge mit dem dunklen Cap nur kurz zurück blickte, seinem Kumpel so etwas wie “Lauf” entgegen rief und dabei schon fast aus der Ladentür gestürzt war. Sein Kumpel reagierte kurz und stand noch einen Moment an der Kasse bevor er anfing zu laufen. Und wie die beiden liefen…

Aber ich laufe auch. Nachdem ich Ananasscheiben in Dose und Gouda am Stück auf das Fließband vor mir werfe, renne ich ebenfalls los. Normalerwiese überhaupt nicht meine Art, aber in dem Moment hielt ich “einfach Zugucken” für eine ziemlich beschissene Alternative. Außerdem konnten die Jungs von mir aus im Schlecker ein paar Straßen weiter klauen, aber nicht in meinem Penny Markt. Da ist Schluss und ‘ne Runde Anpfiff von Mama nötig.

So laufen also die zwei Jungs und ich hinterher aus der Filiale in den dunklen Herbstabend hinaus. Auf dem Parkplatz ist ebenfalls nichts mehr los und meine Ziele hechten die direkt die Straße hinauf in Richtung der Grundschule. Ich versuche noch einen Zahn zuzulegen um besser aufzuholen, schaffe das auch, aber entweder sie machen das nicht zum ersten Mal, haben schon Haare am Sack oder kommen durch das letzte Killerspiel auf die Idee sich zu trennen. Ich entscheide mich für den älteren Typen, während der jüngere schon auf der anderen Straßenseite fast bei der nächsten Kreuzung schaffe ich es fast mein Objekt zu erreichen bis der Typ doch tatsächlich durch ein Scheissloch in einer Scheisshecke springt und im Vorgarten eines der von der Straße nicht einsehbaren Familienhäuser ist. Währenddessen laufe ich weiter bis zur Einfahrt, biege um die Ecke und vernehme die letzten Schritte. Anscheinend ist er im Garten des Hauses und auf Herumtollerei in absolut fremden Gefilden ist nicht wirklich mein Ding.

Ich imitiere zuerst einen Abgang und schaue ob der Junge wieder herauskommt, aber nach 2 Minuten Wartezeit: Fehlanzeige. Also kehre ich mit leeren Händen zurück in den Supermarkt und verfluche innerlich die lächerliche Rennerei. Ist eigentlich eh nicht mein Ding und dann lohnt es sich am Ende nicht mal. Stattdessen ist die Ananaskonserve verbeult und wir kriegen nicht mal Rabatt auf den Einkauf.

Wie schon erwähnt war ich heute allerdings schon wieder drüben und nun ratet mal wer mir begegnet ist. Nein, nicht der dämliche Mitarbeiter, der erst seine Chefin noch dazu bewegen wollte mit zu laufen. Nein, nein, auf Fahrradständer vor der Filiale wartet der Junge, der so filmreif “Lauf!” sagte. Er wartet. Naja, nach so einer Aktion würde ich auch nicht so schnell wieder zurück in die Höhle des Löwen kehren. Da würde ich auch lieber draufen auf Mama warten. Und während ich gemächlichen Schrittes zur Tür gehe, versucht er penetrant weg zu schauen. Ich gucke ihn stattdessen an, lächle über beide Ohren und beobachte wie die Röte in seinem Gesicht immer mehr Magentatöne entwickelt. Ein herrlicher Moment, irgendwie…

Geschrieben von dan in am 29. November 2007 um 22:33 Uhr

  1. Zivilcourage! 3 Daumen hoch! Und ein schöner Beitrag dazu …

    Dirk am 30. November 2007 um 06:14 Uhr
  2. Haha, danke :)

    dan am 30. November 2007 um 14:06 Uhr

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